Kiel: Aktive der im Mai 2025 gegründeten Initiative Krüppel gegen Rechts haben mittlerweile neben dem bundesweiten Austausch auch einige Regionalgruppen gegrüdet. Christian Judith setzt sich in Schleswig-Holstein gegen Behindertenfeindlichkeit ein. In einem Beitrag der shz heißt es dazu: „In der Bewegung ‚Krüppel gegen Rechts‘ versammeln sich Behinderte, die ihr Lebensrecht von Rechts infrage gestellt sehen. Christian Judith setzt sich dafür ein, dass die Gruppe auch im Norden Fuß fasst.“

Im Beitrag der shz heißt es weiter zum Engagement von Christian Judith: „Erst im Mai vergangenen Jahres gründete sich die Bewegung, in Kassel. Judith versteht sie als ‚eine Art Aufschrei der Menschen mit Behinderung – wir lassen uns nicht vertreiben, wir lassen uns nicht unseres Lebensrechts berauben.’“

Link zum vollständigen Beitrag über das Engagement von Christian Judith in Schleswig-Holstein für Krüppel gegen Rechts

Link zu weiteren Infos der bundesweiten Initiative Krüppel gegen Rechts

Magdeburg: Am 24. Januar 2026 haben sich Vertreter*innen der Behindertenbewegung noch darüber gefreut, dass die langjährig behindertenpolitisch engagierte und selbst mit einer Behinderung lebende Katrin Gensecke bei der Listenaufstellung der SPD von Sachsen-Anhalt auf den Listenplatz 6 für die Landtagswahl am 6. September 2026 mit großer Zustimmung gewählt wurde. Ein Blick auf den Entwurf des Regierungsprogramms der AfD, die derzeit in Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bei Werten zwischen 38 und 40 Prozent gesehen und nicht weit von einer absoluten Mehrheit entfernt sein könnte, zeigt jedoch im Hinblick auf die Rechte behinderter Menschen erhebliche Gefahren auf. In einem Bericht auf t-online.de fasst das Nachrichtenportal die Vorhaben der AfD in der Schulpolitik mit folgender Zwischenüerschrift zusammen: „Schule: Nationalhymne singen, Inklusion beenden, Klassenfahrt nach Russland“. Im Beitrag heißt es zur Inklusion: „In den Schulen will die AfD tief eingreifen. Sie will die Wiedereinführung von Haupt- und Realschule prüfen und richtet sich unter der Überschrift ‚Keine Experimente an unseren Kindern!‘ gegen den inklusiven Unterricht von behinderten und nicht-behinderten Kindern. Sie sollen nach Vorstellung der AfD getrennt unterrichtet, Förderschulen wieder verstärkt werden. Auch Kinder aus geflüchteten Familien sollen in ‚Sonderklassen‘ unterrichtet werden.“

Ab Zeile 1782 unter der Überschrift „Keine Experimente an unseren Kindern“ lesen sich die Ausführungen zur schulischen Inklusion wie folgt im Entwurf des AfD-Regierungsprogramms, das auf der Plattform von politico.eu veröffentlicht wurde, wie folgt:

„Das Experiment ‚Inklusion‘, also der gemeinsame Unterricht von behinderten Kindern mit normal begabten Kindern und die Abschaffung der herkömmlichen Förderschulen, ist auf ganzer Linie gescheitert. Die behinderten Kinder erhalten nicht die Aufmerksamkeit, die sie benötigen, finden unter ihren Mitschülern keinen Anschluss, lähmen den Unterrichtsfortgang und bleiben hinter ihren Möglichkeiten zurück. Gerade behinderte Kinder benötigen eine speziell auf ihre Situation abgestimmte Pädagogik, wie sie nur an Förderschulen möglich ist. Hinzu kommt, dass die in Inklusionsklassen oft praktizierte Doppelbesetzung (= zwei Lehrer pro Klasse) in Zeiten des Lehrersmangels wertvolle Kapazitäten bindet. Wir werden die Inklusion unverzüglich beenden und die Förderschulen ausbauen!“

Die AfD hat in Sachen Behindertenpolitik aber auch die Behindertenparkplätze im Visier. Unter der Überschrift „Behindertenparkplätze nach Bedarf!“ heißt es ab Zeile 4782 im Entwurf des Regierungsprogramms der AfD:

„Jedem Autofahrer ist die Situation bekannt, dass er verzweifelt einen Parkplatz sucht und keinen findet, weil alles belegt ist, aber immer mehrere Behindertenparkplätze frei bleiben. Offensichtlich existieren mehr Behindertenplätze als von berechtigten Nutzern mit Behindertenausweis nachgefragt werden. Wir werden deshalb landesweit die Auslastung der Behindertenparkplätze überprüfen und, wenn Überkapazitäten langfristig ungenutzt bleiben, diese reduzieren bzw. die Kommunen anregen und dabei unterstützten, in diesem Sinne zu handeln. Wir wollen Behinderten nicht zumuten, zusammen mit Nichtbehinderten um die gleichen Parkplätze konkurrieren zu müssen; es darf aber auch nicht sein, dass sinnfreie Überkapazitäten vorgehalten werden.“

Anlass zur Besorgnis bieten auch die Vorstellungen der AfD von Sachsen-Anhalt zum Thema Pflege. Dazu heißt es im Entwurf des Regierungsprogramms der AfD Sachsen-Anhalt u.a.:

„Was die Pflege angeht, so ist sie ebenso wie die Kindererziehung eine lebensnahe Tätigkeit, die ursprünglich nicht professionalisiert war und erst in jüngerer Zeit durch staatliche Institutionen übernommen wurde. Pflege ist ihrem Wesen nach Ausdruck der Fürsorge liebender Angehöriger. Wir werden die Familie fördern, damit sie ihre heilsame Funktion zur Entlastung des Gemeinwesens besser erfüllen kann.“

Link zum Bericht von t-online zum Entwurf des Regierungsprogramms der AfD für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 26. Januar 2026

Link zum Bericht des Focus vom 27. Januar 2026 über den Entwurf des Regierungsprogramms der AfD Sachsen-Anhalt

Link zum auf www.politico.eu veröffentlichten Entwurf des AfD Landesverband Sachsen-Anhalt für das Regierungsprogramm für die Landtagswahl vom 23. Januar 2026

„Rechter Gegenwind behindert Teilhabe“, so lautet der Titel einer Veranstaltung mit einem Vortrag und anschließender Diskussion, die am 9. Februar 2026 um 19:00 Uhr in den Räumen des freiRaum, Samuel-Beckett-Anlage 6 in 34119 Kassel stattfindet.

„Rechte Ideologien und damit auch menschenfeindliche Einstellungen gewinnen seit Jahren immer mehr an Einfluss. Das betrifft auch behinderte Menschen. Wie sich diese rechte Behindertenfeindlichkeit konkret äußert, welches Bild von Behinderung im rechten Weltbild gezeichnet wird, welche Rollen behinderten Menschen zugeschrieben werden und was das für die Teilhabe im Alltag bedeutet, zeigt Mandy Müller vom Projekt ‚Aktiv Teilhabe gestalten‘ vom fab e.V.. Im Anschluss möchten wir mit dem Publikum ins Gespräch kommen.

Welche Erfahrungen habt ihr im Alltag, in Institutionen oder online mit rechter Behindertenfeindlichkeit gemacht?

  • Welche Folgen spüren wir als Community?
  • Und vor allem: Was können wir dem entgegensetzen? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es vor Ort?

Es handelt sich um eine Kooperationsveranstaltung des Projekts ‚Aktiv Teilhabe gestalten‘ des fab e.V. und der Initiative ‚Krüppel gegen Rechts‘. Der Abend soll Raum bieten für Austausch, Vernetzung und die Entwicklung gemeinsamer Strategien.

Bei Bedarf an Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache bitten wir um eine kurze Anmeldung per Mail an mandy.mueller@fab-kassel.de spätestens bis zum 29.1.2026.

Die Veranstaltung ist ein Schutzraum für alle Beteiligten. Menschenfeindliche Äußerungen, rechte Parolen oder Störungen des Ablaufs werden nicht geduldet. Wir machen vom Hausrecht Gebrauch und schließen entsprechende Personen aus“, heißt es in der Ankündigung der Veranstaltung. Weitere Infos gibt’s per Mail unter mandy.mueller@fab-kassel.de.

Kassel / Hadamar: „Auch heute erleben viele Menschen Ausgrenzung. Die Erinnerung an die ‚Euthanasie‘-Verbrechen ist daher nicht nur eine historische Aufgabe. Vielmehr sensibilisiert uns das Schicksal einzelner NS-Verfolgter für Diskriminierung und Ausgrenzung in der Gegenwart. Diese Verbrechen zeigen eindringlich, wie der Weg von Stigmatisierung und Ausgrenzung über die Rhetorik vom ‚lebensunwerten Leben‘ bis hin zum Mord führte. Sie mahnen uns, dass jede Entwertung von Menschen auf eine gefährliche schiefe Ebene führt, auf der es schließlich kein Halten mehr gibt.“ Dies machte Prof. Dr. Jan Erik Schulte, Leiter der Gedenkstätte Hadamar und Leiter des Fachbereichs Archiv, Gedenkstätten, Historische Sammlungen des Landeswohlfahrtsverband LWV Hessen in einem Interview deutlich, dass Dr. Andreas Jürgens mit ihm führte und das wir im Folgenden veröffentlichen.

Dr. Andreas Jürgens: Warum ist es immer noch wichtig, an den Terror der Nazizeit zu erinnern?

Prof. Dr. Jan Eric Schulte: Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Menschen aus rassistischen, antisemitischen, sozialen und eugenischen Gründen diskriminiert, aus der Gesellschaft ausgeschlossen, misshandelt und ermordet. Wir können vergangenes Unrecht nicht wiedergutmachen, aber wir können und müssen an die Verfolgten und Ermordeten erinnern. Mit dieser Erinnerung entreißen wir das Schicksal dieser Menschen dem Vergessen. Und das Auslöschen der Erinnerung an diese Menschen war eines der zentralen Ziele der nationalsozialistischen Täter und Täterinnen. Zugleich zeigen wir Empathie für die verfolgten Menschen und stärken unsere Gesellschaft als eine, die an der Seite der Verfolgten und Unterdrückten steht.

Ebenso wichtig ist es, sich mit den Taten, den Tätern und Täterinnen sowie den Strukturen auseinanderzusetzen, die zu den Massenverbrechen führten. Ich bin überzeugt, dass man aus Geschichte lernen kann. Nur wenn wir die Geschichte der NS-Verfolgung erforschen, bekannt machen und immer wieder öffentlich diskutieren – und dabei auch die historischen Kontinuitäten von Ausgrenzung und Entmenschlichung benennen –, können wir gegenwärtige Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung einordnen, ihre Gefahren erkennen und ihnen entschieden entgegentreten.

Dr. Andreas Jürgens: Was ist das Besondere an der Gedenkstätte Hadamar?

Prof. Dr. Jan Eric Schulte: Die Gedenkstätte Hadamar erinnert an die Verfolgten und Ermordeten der nationalsozialistischen „Euthanasie“. Die Gedenkstätte ist der historische Ort, an dem die „Euthanasie“-Verbrechen geschahen. Fast 15.000 Menschen wurden in dem Gebäude, das als nationalsozialistische Tötungsanstalt diente und heute die Gedenkstätte beherbergt, ermordet. In mehreren Mordprogrammen und -aktionen wurden insbesondere Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen umgebracht. Die Gedenkstätte Hadamar bemüht sich, an jede und jeden Ermordeten der Tötungsanstalt Hadamar zu erinnern – denn jeder Mensch ist gleich viel wert.

Auch heute erleben viele Menschen Ausgrenzung. Die Erinnerung an die „Euthanasie“-Verbrechen ist daher nicht nur eine historische Aufgabe. Vielmehr sensibilisiert uns das Schicksal einzelner NS-Verfolgter für Diskriminierung und Ausgrenzung in der Gegenwart. Diese Verbrechen zeigen eindringlich, wie der Weg von Stigmatisierung und Ausgrenzung über die Rhetorik vom „lebensunwerten Leben“ bis hin zum Mord führte. Sie mahnen uns, dass jede Entwertung von Menschen auf eine gefährliche schiefe Ebene führt, auf der es schließlich kein Halten mehr gibt.

Dr. Andreas Jürgens: Bei der Neugestaltung der Gedenkstätte soll auch auf Barrierefreiheit geachtet werden. Was heißt das genau?

Prof. Dr. Jan Eric Schulte: Ein wesentliches Ziel der Neugestaltung ist es, Angebote für möglichst alle Menschen zu schaffen, unabhängig von ihren Voraussetzungen und Kenntnissen. Dies betrifft einerseits den Abbau baulicher Hürden: Ein „Eingang für alle“ mit einer Rampe wird den gleichberechtigten Zugang zur Gedenkstätte ermöglichen und Leitsysteme erleichtern die Orientierung. Zugleich soll die Ausstellung, unterstützt durch ein Mediaguide-System, inklusiv gestaltet werden und barrierearme Rundgänge für unterschiedliche Bedürfnisse anbieten.

Wir verstehen Barrierearmut und Inklusion als fortlaufenden Prozess, der gemeinsam gestaltet wird. So planen wir, Expertinnen und Experten in eigener Sache einzubeziehen, um die Ausstellung so zielgruppenorientiert wie möglich zu gestalten. Auch nach Abschluss der Neugestaltung soll der Prozess weitergeführt und die inklusive Bildungsarbeit ausgebaut werden.

Prof. Dr. Jan Erik Schulte ist Leiter der Gedenkstätte Hadamar und Leiter des Fachbereichs Archiv, Gedenkstätten, Historische Sammlungen des LWV Hessen

Weitere Informationen gibt’s unter:

Das Jahr 2026 fängt aktiv an. Bereits vor dem ersten Treffen des bundesweiten Zusammenschluss von Krüppel gegen Rechts am 14. Januar 2026 hat sich auch in München eine Regionalgruppe von „Krüppel gegen Rechts“ gegründet. Die Münchner Gruppe ist per Mail unter muenchen@krueppel-gegen-rechts.de erreichbar. Wer mitmachen will, kann sich gerne per Mail melden.