„Rechter Gegenwind behindert Teilhabe“, so lautet der Titel einer Veranstaltung mit einem Vortrag und anschließender Diskussion, die am 9. Februar 2026 um 19:00 Uhr in den Räumen des freiRaum, Samuel-Beckett-Anlage 6 in 34119 Kassel stattfindet.
„Rechte Ideologien und damit auch menschenfeindliche Einstellungen gewinnen seit Jahren immer mehr an Einfluss. Das betrifft auch behinderte Menschen. Wie sich diese rechte Behindertenfeindlichkeit konkret äußert, welches Bild von Behinderung im rechten Weltbild gezeichnet wird, welche Rollen behinderten Menschen zugeschrieben werden und was das für die Teilhabe im Alltag bedeutet, zeigt Mandy Müller vom Projekt ‚Aktiv Teilhabe gestalten‘ vom fab e.V.. Im Anschluss möchten wir mit dem Publikum ins Gespräch kommen.
Welche Erfahrungen habt ihr im Alltag, in Institutionen oder online mit rechter Behindertenfeindlichkeit gemacht?
Welche Folgen spüren wir als Community?
Und vor allem: Was können wir dem entgegensetzen? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es vor Ort?
Es handelt sich um eine Kooperationsveranstaltung des Projekts ‚Aktiv Teilhabe gestalten‘ des fab e.V. und der Initiative ‚Krüppel gegen Rechts‘. Der Abend soll Raum bieten für Austausch, Vernetzung und die Entwicklung gemeinsamer Strategien.
Bei Bedarf an Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache bitten wir um eine kurze Anmeldung per Mail an mandy.mueller@fab-kassel.de spätestens bis zum 29.1.2026.
Die Veranstaltung ist ein Schutzraum für alle Beteiligten. Menschenfeindliche Äußerungen, rechte Parolen oder Störungen des Ablaufs werden nicht geduldet. Wir machen vom Hausrecht Gebrauch und schließen entsprechende Personen aus“, heißt es in der Ankündigung der Veranstaltung. Weitere Infos gibt’s per Mail unter mandy.mueller@fab-kassel.de.
Kassel / Hadamar: „Auch heute erleben viele Menschen Ausgrenzung. Die Erinnerung an die ‚Euthanasie‘-Verbrechen ist daher nicht nur eine historische Aufgabe. Vielmehr sensibilisiert uns das Schicksal einzelner NS-Verfolgter für Diskriminierung und Ausgrenzung in der Gegenwart. Diese Verbrechen zeigen eindringlich, wie der Weg von Stigmatisierung und Ausgrenzung über die Rhetorik vom ‚lebensunwerten Leben‘ bis hin zum Mord führte. Sie mahnen uns, dass jede Entwertung von Menschen auf eine gefährliche schiefe Ebene führt, auf der es schließlich kein Halten mehr gibt.“ Dies machte Prof. Dr. Jan Erik Schulte, Leiter der Gedenkstätte Hadamar und Leiter des Fachbereichs Archiv, Gedenkstätten, Historische Sammlungen des Landeswohlfahrtsverband LWV Hessen in einem Interview deutlich, dass Dr. Andreas Jürgens mit ihm führte und das wir im Folgenden veröffentlichen.
Dr. Andreas Jürgens: Warum ist es immer noch wichtig, an den Terror der Nazizeit zu erinnern?
Prof. Dr. Jan Eric Schulte: Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Menschen aus rassistischen, antisemitischen, sozialen und eugenischen Gründen diskriminiert, aus der Gesellschaft ausgeschlossen, misshandelt und ermordet. Wir können vergangenes Unrecht nicht wiedergutmachen, aber wir können und müssen an die Verfolgten und Ermordeten erinnern. Mit dieser Erinnerung entreißen wir das Schicksal dieser Menschen dem Vergessen. Und das Auslöschen der Erinnerung an diese Menschen war eines der zentralen Ziele der nationalsozialistischen Täter und Täterinnen. Zugleich zeigen wir Empathie für die verfolgten Menschen und stärken unsere Gesellschaft als eine, die an der Seite der Verfolgten und Unterdrückten steht.
Ebenso wichtig ist es, sich mit den Taten, den Tätern und Täterinnen sowie den Strukturen auseinanderzusetzen, die zu den Massenverbrechen führten. Ich bin überzeugt, dass man aus Geschichte lernen kann. Nur wenn wir die Geschichte der NS-Verfolgung erforschen, bekannt machen und immer wieder öffentlich diskutieren – und dabei auch die historischen Kontinuitäten von Ausgrenzung und Entmenschlichung benennen –, können wir gegenwärtige Formen von Diskriminierung und Ausgrenzung einordnen, ihre Gefahren erkennen und ihnen entschieden entgegentreten.
Dr. Andreas Jürgens: Was ist das Besondere an der Gedenkstätte Hadamar?
Prof. Dr. Jan Eric Schulte: Die Gedenkstätte Hadamar erinnert an die Verfolgten und Ermordeten der nationalsozialistischen „Euthanasie“. Die Gedenkstätte ist der historische Ort, an dem die „Euthanasie“-Verbrechen geschahen. Fast 15.000 Menschen wurden in dem Gebäude, das als nationalsozialistische Tötungsanstalt diente und heute die Gedenkstätte beherbergt, ermordet. In mehreren Mordprogrammen und -aktionen wurden insbesondere Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen umgebracht. Die Gedenkstätte Hadamar bemüht sich, an jede und jeden Ermordeten der Tötungsanstalt Hadamar zu erinnern – denn jeder Mensch ist gleich viel wert.
Auch heute erleben viele Menschen Ausgrenzung. Die Erinnerung an die „Euthanasie“-Verbrechen ist daher nicht nur eine historische Aufgabe. Vielmehr sensibilisiert uns das Schicksal einzelner NS-Verfolgter für Diskriminierung und Ausgrenzung in der Gegenwart. Diese Verbrechen zeigen eindringlich, wie der Weg von Stigmatisierung und Ausgrenzung über die Rhetorik vom „lebensunwerten Leben“ bis hin zum Mord führte. Sie mahnen uns, dass jede Entwertung von Menschen auf eine gefährliche schiefe Ebene führt, auf der es schließlich kein Halten mehr gibt.
Dr. Andreas Jürgens: Bei der Neugestaltung der Gedenkstätte soll auch auf Barrierefreiheit geachtet werden. Was heißt das genau?
Prof. Dr. Jan Eric Schulte: Ein wesentliches Ziel der Neugestaltung ist es, Angebote für möglichst alle Menschen zu schaffen, unabhängig von ihren Voraussetzungen und Kenntnissen. Dies betrifft einerseits den Abbau baulicher Hürden: Ein „Eingang für alle“ mit einer Rampe wird den gleichberechtigten Zugang zur Gedenkstätte ermöglichen und Leitsysteme erleichtern die Orientierung. Zugleich soll die Ausstellung, unterstützt durch ein Mediaguide-System, inklusiv gestaltet werden und barrierearme Rundgänge für unterschiedliche Bedürfnisse anbieten.
Wir verstehen Barrierearmut und Inklusion als fortlaufenden Prozess, der gemeinsam gestaltet wird. So planen wir, Expertinnen und Experten in eigener Sache einzubeziehen, um die Ausstellung so zielgruppenorientiert wie möglich zu gestalten. Auch nach Abschluss der Neugestaltung soll der Prozess weitergeführt und die inklusive Bildungsarbeit ausgebaut werden.
Prof. Dr. Jan Erik Schulte ist Leiter der Gedenkstätte Hadamar und Leiter des Fachbereichs Archiv, Gedenkstätten, Historische Sammlungen des LWV Hessen
Das Jahr 2026 fängt aktiv an. Bereits vor dem ersten Treffen des bundesweiten Zusammenschluss von Krüppel gegen Rechts am 14. Januar 2026 hat sich auch in München eine Regionalgruppe von „Krüppel gegen Rechts“ gegründet. Die Münchner Gruppe ist per Mail unter muenchen@krueppel-gegen-rechts.de erreichbar. Wer mitmachen will, kann sich gerne per Mail melden.