Kassel: Seit einigen Monaten engagieren sich Menschen mit verschiedenen Behinderungen in der Initiative „Krüppel gegen Rechts“ und zeigen mittlerweile auch bei verschiedenen Veranstaltungen Flagge. So auch bei der Disability Pride Demo, die am 27. September 2024 durch die Kasseler Innenstadt zog. Nancy Frind hatte gleich zwei ihrer Flaggen von „Krüppel gegen Rechts“ mitgebracht, mit denen auf die zunehmende gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hingewiesen und vor dem Rechtsruck – vor allem durch das Erstarken der AfD und der mit ihr verbundenen Ideologie in der Gesellschaft – gewarnt wurde.

Link zur Internetseite der Initiative Krüppel gegen Rechts

Link zum Bericht über die Disability Pride Demo vom 27. September 2025 in den kobinet-nachrichten

„Für die AfD gehören Behindertenfeindlichkeit und Rassismus zusammen, sagt Dagmar Herzog.“ So heißt es in der Ankündigung des Beitrags mit dem Titel „Die Fantasie vom schönen Volk“, der am 7. September 2025 in der taz erschienen ist. Im Interview berichtet die Historikerin Dagmar Herzog über rechte Körperkultur und was dies mit Behindertenfeindlichkeit zu tun hat. Und sie betont: „Die AfD ist so obsessiv behindertenfeindlich wie keine andere rechtslastige Bewegung.“

Im Interview heißt es u.a.:

taz: Sie leben in New York. Ihre These von der Faschisierung illustrieren Sie mit Kampagnen der AfD in Deutschland. Warum?

Herzog: Besonders im Umgang mit geistiger Behinderung wirkt in Deutschland noch vieles aus der NS-Zeit nach. Die AfD ist so obsessiv behindertenfeindlich wie keine andere rechtslastige Bewegung. Weder in Ungarn noch Brasilien finden Sie dieses Wüten gegen Integration behinderter Menschen, das die AfD in jedem regionalen Parteiprogramm betreibt. Ich habe mich gefragt: Warum will man vor allem geistige Behinderung wieder unsichtbar machen?

taz: Wie lautet Ihre Antwort?

Herzog: Ich glaube, eins der Kalküle am Schlechtreden von Inklusion ist: Wenn man Menschen mit Beeinträchtigungen wieder aus dem Blickfeld der Kinder bringt, dann lernen sie gar nicht erst die Empathie und die Solidarität, die ein wichtiger Teil des Menschseins sind. Ich habe mit vielen jungen Leuten in Deutschland geredet. Manche sind in Inklusionsklassen und finden das toll. Ich habe auch viele gelingende Inklusionsklassen besucht. Aber es ist nicht die Mehrheit, vielerorts wird Inklusion gar nicht umgesetzt. Mancherorts sind Lehrer und Schulen damit auch überfordert.“

Link zum vollständigen Interview in der taz

Nancy Frind mit Fahne von Krüppel gegen RechtsAm Samstag, den 6. September 2025, fand in Erfurt der Christopher Street Day (CSD) statt. Mit dabei war Nancy Frind, die dort einen Redebeitrag hielt und damit auch die Stimme behinderter Menschen hörbar machte. „Als Aktivistin für Menschen mit Behinderungen war es mir wichtig, deutlich zu sagen: Vielfalt und Sichtbarkeit sind entscheidend. Wir müssen gemeinsam stark sein – und auch laut“, betonte die Thüringerin, die auch für die Initiative Krüppel gegen Rechts warb und Flagge zeigte.

Stimme für die Rechte behinderter Menschen beim CSD in Erfurt erhoben

„Ich möchte mich für all die Einladungen zu verschiedenen CSDs bedanken, bei denen ich bereits sprechen durfte. Auch als Vertreterin des Landesverbands für Frauen mit Behinderungen in Thüringen (LaFiT) konnte ich immer wieder dabei sein – dort war es mir besonders wichtig, als Frau mit Behinderung sichtbar zu sein und dieses Thema stark zu machen. Das ist nicht selbstverständlich und ich bin sehr dankbar dafür. Diese Plattformen geben uns die Möglichkeit, laut zu sein, sichtbar zu werden und zu zeigen: Uns gibt es! All das mache ich ehrenamtlich – und gerade deshalb erfüllt es mich mit großem Stolz, meine Stimme zu erheben. Immer wieder habe ich auch Werbung für Krüppel gegen Rechts gemacht – denn Vielfalt, Sichtbarkeit und ein klares Zeichen gegen Hass und Ausgrenzung sind Themen, die uns alle angehen. Für uns Menschen mit Behinderung ist es besonders wichtig, dass unsere Perspektiven nicht übersehen werden“, berichtet Nancy Frind. Für sie ist es auch wichtig, ihre Stimme für diejenigen zu erheben, die es aus verschiedenen Gründen nicht können.

Das nächste Online-Austausch-Treffen der Initiative Krüppel gegen Rechts findet übrigens am 15. September 2025 um 17:00 Uhr statt. Diejenigen, die Interesse haben, in den Verteiler der Initiative Krüppel gegen Rechts aufgenommen zu werden, können sich mit einer E-Mail an folgende Adresse wenden: hgh@krueppel-gegen-rechts.de

Link zur Homepage von Krüppel gegen Rechts

Das nächste Online-Austausch-Treffen der Initiative Krüppel gegen Rechts findet am 15. September 2025 um 17:00 Uhr statt. Diejenigen, die Interesse haben, in den Verteiler der Initiative Krüppel gegen Rechts aufgenommen zu werden, können sich mit einer E-Mail an folgende Adresse wenden: hgh@krueppel-gegen-rechts.de. Dort kann man sich auch für die Online-Treffen anmelden.

Marburg: Der Andrang zur Eröffnung der Ausstellung mit dem Titel „Verfolgung behinderter Menschen im Nationalsozialismus“ zur Nazi-„Euthanasie“ in Marburg war größer als erwartet. „Die 70 Plätze im großen Ausstellungssaal des katholischen Begegnungshauses ‚KA.RE.‘ reichten bei weitem nicht aus. Obwohl noch Stühle in den Saal hineingestellt wurden, mussten mehrere Interessierte die Ausstellungseröffnung am 22. August 2025 stehend verfolgen, was sie angesichts des berührenden Programms aber allesamt durchhielten. Die Ausstellung ‚Verfolgung behinderter Menschen im Nationalsozialismus‘ ist bis Donnerstag, 30. Oktober 2025 im Katholischen Begegnungshaus ‚Ka.Re‘ in der Biegenstraße 18 in Marburg zu sehen.“ Darauf macht Franz-Josef Hanke in seinem Beitrag über die Ausstellungseröffnung für die kobinet-nachrichten aufmerksam.

 Bewegende Ausstellungseröffnung zur Nazi-„Euthanasie“ in Marburg

Beitrag von Franz-Josef Hanke

Der Andrang zur Ausstellungseröffnung war größer als erwartet. Die 70 Plätze im großen Ausstellungssaal des katholischen Begegnungshauses „KA.RE.“ reichten bei weitem nicht aus. Obwohl noch Stühle in den Saal hineingestellt wurden, mussten mehrere Interessierte die Ausstellungseröffnung am Freitag (22. August 2025) stehend verfolgen, was sie angesichts des berührenden Programms aber allesamt durchhielten. Die Ausstellung „Verfolgung behinderter Menschen im Nationalsozialismus“ ist bis Donnerstag (30. Oktober) im Katholischen Begegnungshaus „Ka.Re“ in der Biegenstraße 18 in Marburg zu sehen. Sie ergänzt die Wanderausstellung „Die nationalsozialistischen ,Euthanasie‘-Morde“ um einen Ausstellungsteil der Arbeitsgruppe „Menschenbild Behinderter Gestern und Heute“ im „Marburger Netzwerk für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“ über „Euthanasie“ in Marburg.

„Wir sehen, wo es endet, wenn Hass und Hetze, wenn Unmenschlichkeit und Abwertung von Menschen regieren“, warnte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Wir sehen, was passiert, wenn Menschen nach ihrer ,Nützlichkeit‘ bewertet und ihre unveräußerliche Würde mit Füßen getreten wird.“ Besonders beeindruckt zeigte sich der Oberbürgermeister von der Ergänzung der Wanderausstellung durch Dokumente und Informationen zur Marburger Verfolgungsgeschichte. „Nirgends ist die Notwendigkeit von Demokratie so handgreiflich sichtbar wie hier.“

Der Initiator des Ausstellungsprojekts ging das Thema grundlegender an: „Wer bestimmt eigentlich, was normal ist und was nicht?“ Diese Frage nahm Bernd Gökeler zum Anlass für weitere Fragen an das Publikum: „Was bringt sie eigentlich zu der Erwartung, dass der Saal hier für sie bestuhlt ist? Wieso halten Sie es für selbstverständlich, das jemand – wir nennen sie Assistenten – die Stühle vorher hinstellen und hinterher wieder abräumen?“

Ihm als Rollstuhlfahrer biete der nicht bestuhlte Saal die Möglichkeit einer freien Platzwahl. er fragte das Publikum direkt, warum die Ausstattung mit Standardstühlen als selbstverständlich gelte, wohingegen er seinen Rollstuhl aufwendig beantragen müsse. Debatten über die Kosten der Behindertenhilfe rückte Gökeler mit seinen Ausführungen dahin, wo Menschen als angeblicher „Kostenfaktor“ abgewertet werden und von wo aus es nur noch ein kleiner Schritt ist bis hin zur menschenverachtenden Nazi-Ideologie.

Pfarrer Markus Blümel vom Team des „Ka.Re.“ berichtete von einer Exkursion seiner Firmlinge nach Fulda, wo er mit einer behinderten Teilnehmerin nach barrierefreien Zugängen zu Gebäuden und Gaststätten habe suchen müssen. „Das hat meinen Blick geschärft“, erklärte er. Die Katholische Kirche sieht der Pfarrer in der Pflicht, an das Beispiel des Münsteraner Bischofs Clemens August Kardinal Graf von Galen anzuknüpfen, der die sogenannte „Euthanasie“ der Nationalsozialisten 1941 mit scharfen Worten als unmenschlich gegeißelt hatte.

Den – von Mitgliedern der Arbeitsgruppe im Marburger Netzwerk für Demokratie und gegen Rechtsextremismus zusammengestellten – Ausstellungsteil über Marburg stellte der Historiker Dr. Wolfgang Form bei der Ausstellungseröffnung kurz vor: Die sogenannte „Euthanasie“ sei nicht vom Himmel gefallen, berichtete er. Auf einem Zeitstrahl seien in der Ausstellung entsprechende Entwicklungsschritte und Maßnahmen zwischen dem Jahr 1907 bis hin zum Jahr 2025 vermerkt.

Begonnen habe die systematische Verfolgung angeblich „unnützer Esser“ mit der Zwangssterilisierung behinderter Menschen 1933. Im Alten Amtsgericht an der Marburger Universitätsstraße habe das sogenannte „Erbgesundheitsgericht“ bis 1945 mindestens 164 Urteile gesprochen, die dann in der Frauenklinik und – bei Männern – in der Urologie umgesetzt wurden. Das könne damals niemandem verborgen geblieben sein, erklärte Form.

Mindestens 333 Marburgerinnen und Marburger wurden zwischen 1939 und 1945 in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet. Sie kamen aus fast allen Stadtteilen Marburgs, berichtete Form. „Jeder kannte ein Kind oder eine Tante, die weggebracht wurden“, erläuterte der Historiker. „Alle müssen davon gewusst haben.“

An die Marburger „Euthanasie“-Opfer wird mit der Installation „Steine gegen das Vergessen“ erinnert. Für jedes Opfer wird der Namenszug mit Geburtsdatum und dem Tag der Ermordung in Hadamar auf einem Backstein angebracht. Die Station ist mit Unterstützung des Lebenshilfewerks Marburg-Biedenkopf entstanden. Zudem wird an die Opfer der NS-Zwangssterilisation erinnert.

„Die Steine sind zwar alle ungefähr gleich groß, haben aber alle eine unterschiedliche Form“, erläuterte Gökeler. Er bezeichnete sie als „Lehrmal“, das nach dem Ausstellungsende am 30. Oktober auch an anderen Orten in Marburg zu sehen sein sollte.

Mit eindringlichem Gesang verhalf Latoya Reitzner den Anwesenden zwischen den Reden dreimal zum Durchatmen. Dabei bezogen sich ihre Titel wie „The Sound of Silence“ auf die Themen, die bei der Vernissage zuvor oder im Anschluss behandelt wurden. Gebärdensprachdolmetscher begleiteten diese Veranstaltung ebenso wie Texte in Leichter Sprache und Audioguides die Ausstellung.

Um junge Menschen an das schwierige Thema heranzuführen, hatten die Veranstaltenden Freiwillige für „Peer-Rundgänge“ gesucht. Fünf junge Leute waren aus diesem Grund zur Ausstellungseröffnung gekommen und wurden dort mit großem Applaus bedacht. Weitere Freiwillige werden noch gesucht. Alle wichtigen Informationen zu dem Projekt finden Interessierte online auf http://www.marburgmachtmit.de/eugenik

Am 1. Juni 2025 ist mit MAVIOPA – „Mapping far right violence against people with (cognitive) disabilities, resistance and professional approach“ – ein dreijähriges inter- und transdisziplinäres Verbundforschungs- uns Transferprojekt an der Hochschule Düsseldorf (HSD) und dem Institut für Rechtsextremismusforschung (IRex) an der Universität Tübingen gestartet. Es konzentriert sich auf extrem rechte Gewalt vor allem bezogen auf Menschen mit kognitiven Behinderungen, dokumentiert aber auch Übergriffe auf Menschen mit weiteren bzw. anderen Formen von Behinderungen seit den 1990er Jahren in der Bundesrepublik.

Gesucht werden Informationen (auch, wenn diese nur sehr vage sein sollten):

– Persönliche Erinnerungen und Hinweise, Fotos, Zeitungsartikel, Online-Posts etc. zu Vorfällen, in denen Bedrohungen und Gewalt gegenüber Menschen mit u.a. kognitiven Beeinträchtigungen stattgefunden haben, und es sich um rechtsextreme Täter/innen handelte. Es interessieren Vorfälle seit 1990 bis heute.

– Unklare Situationen, denn nicht immer sind rechtsextreme Akteure und Akteurinnen als solche erkennbar.

– Gegenaktivitäten, z.B. nach einem Angriff, wie eine Kundgebung oder Engagement in der Nachbarschaft.

Die Informationen oder Beschreibung des Vorfalls, (Kopien von) Fotos oder Zeitungsartikeln können über ein Formular gemeldet werden. Die Ergebnisse der Grundlagenforschung sollen in eine Chronik sowie in eine Ausstellung in leichter und schwerer Sprache münden, außerdem in Empowerment für die Betroffenen und in partizipativ entwickeltes politisches Bildungsmaterial sowie Policy Paper für Fachkräfte und Polizei.
 
Kontakt: maviopa@irex.uni-tuebingen.de

Meldeformular: https://uni-tuebingen.de/de/280794)

Wiesbaden: Für Mittwoch, den 3. September 2025, ist von 12.30 bis 14.00 Uhr eine Kundgebung vor dem Hessischen Landtag in Wiesbaden unter dem Motto „Kein Register gegen Psychisch Kranke“ geplant. „Es geht darum, unseren Protest gegen die geplante Diskriminierung auszudrücken“, heißt es u.a. auf der Internetseite des Bundesverband Psychiatrie-Erfahrener (Bpe). „Die CDU Hessen und SPD Hessen wollen psychisch erkrankte Menschen in einem Register erfassen. Das kann Menschen davon abschrecken, sich Hilfe zu holen! Statt eines Überwachungsregisters braucht es echte Hilfe: mehr Therapieplätze, niedrigschwellige Angebote und Respekt vor der Würde aller Menschen.“ So heißt es in einer Petition, die schon fast 40.000 Unterstützer*innen hat.

„Genauere Informationen zu dieser von Herrn Thomas Völker von der Linkspartei organisierten Aktion findet Ihr demnächst im Telegramkanal des BPE oder auf www.bpe-online.de„, heißt es auf der Internetseite des Bpe.

„Bis zu ein Drittel der Bevölkerung gilt als ‚psychisch krank‘. Die Zahl der Psychiatrieeinweisungen liegt bei 1,2 Millionen im Jahr. Wie man aus dieser riesigen Zahl von Diagnostizierten die wenigen (potentiellen) Gewalttäter herausfiltern will, ist mir schleierhaft. Fakt ist, dass sich die Psychiatrie um die Behandlung wirklich gefährlicher Menschen drückt. Diese werden oft sehr schnell entlassen. So unerfreulich diese Straftaten auch sind, sie sind verglichen mit Verkehrstoten, an Krankenhauskeimen Gestorbenen, Opfern von Alkohol und Nikotin, selten. Man würde sich ebenfalls freuen, wenn Femizide auch nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit dieser Straftaten ‚psychisch Kranker‘ fänden.“ So heißt es weiter auf der Internetseite des Bpe zur Ankündigung der geplanten Demonstration am 3. September 2025 in Wiesbaden.

Link zur Petition „Stoppt das Register über psychisch erkrankte Menschen“

Link zum Beitrag der kobinet-nachrichten vom 4. Juli 2025 mit dem Titel: Die Registrierung von Menschen mit psychischen Behinderungen führt zu Gewalt

Link zum Beitrag der kobinet-nachrichten vom 4. Juli 2025 mit dem Titel: CDU-Äußerungen zur Erfassung psychisch Kranker stoßen auf heftige Kritik

Link zum Bericht der kobinet-nachrichten vom 3. Juli 2025 mit dem Titel: Differenzierte Betrachtung statt Stigmatisierung psychisch kranker Menschen gefordert

„Die Rückabwicklung der Inklusion behinderter Menschen fordern inzwischen nicht nur Rechtsextreme in und außerhalb der deutschen Parlamente und Verwaltung. Immer öfter votieren auch rechtskonservative Akteur*innen für eine Rückkehr zum – angeblich – kostengünstigeren Fürsorgesystem, in dem Menschen mit Behinderungen ohne deren Konsultation in Sonderwelten untergebracht werden dürfen.“ Dies stellt die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland (ISL) in ihrem Positionspapier mit dem Titel „Teilhabe ist Menschenrecht und keine Verhandlungsmasse“ fest, das diese zusammen mit den Zentren für selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen veröffentlicht hat.

Und weiter heißt es im Positionspapier: „Neben, fast erwartungsgemäß, Boris Palmer reihen sich verschiedene CDU-Politiker*innen ein, leider auch Bundeskanzler Friedrich Merz in einer umstrittenen Rede beim Kommunalkongress des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Grundlagen-Text für diese Kehrtwende stellt gewissermaßen das BAGüS-Positionspapiers zur Bundestagswahl 2025 dar, das unter „der Oberfläche von Begriffen wie „Steuerung“, „Entbürokratisierung“ und „Komplexitätsreduktion“ […] zentrale Errungenschaften des BTHG in Frage stell[t]“ (Kritische Analyse „Teilhabe stärken statt einschränken“). Deutlicher werden da die Forderungen des Bayerischen Bezirkstages.“

Die im Koalitionsvertrag vorgesehene de facto Stärkung der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) und die Prüfung von Pauschalierungen unter dem Schlagwort „Bürokratieabbau“ (Z. 672 f.) bekommen vor diesem Hintergrund nach Ansicht der ISL schärfere Konturen. „Erneut ist zu beobachten, wie Forderungen der extremen Rechten ins sogenannte ‚bürgerliche‘ Lager einsickern. Den ‚Meilenstein auf dem Weg hin zu einer inklusiven Gesellschaft‘ droht die aktuelle Regierung rückabzuwickeln: Teilhabe soll wieder abhängig gemacht werden von Wirtschaftlichkeit, Zumutbarkeit und fachlicher Einschätzung von nicht Betroffenen – statt von den Wünschen und Bedarfen der Menschen mit Behinderungen“, heißt es weiter im Positionspapier.

Link zum Positionspapier

Zwei Monate nach der Gründung der Initiaitve Krüppel gegen Rechts ist diese nicht nur mit einer Homepage im Internet vertreten, sondern mischt auch mit Posts auf Instagram mit. Beim mittlerweile fünften Online-Austauschtreffen nach der Gründung der Initiative am 17. Mai 2025 in Kassel wurde zudem deutlich, dass das verbands- und behinderungsübergreifende Netzwerk aus mittlerweile ca. 120 Personen bereits bei einer Reihe von Veranstaltungen Präsenz zeigt und auf die Bedrohungen behinderter Menschen durch den Rechtsextremismus aufmerksam macht. Zudem ist die Planung von regionalen Zusammenschlüssen geplant, um beispielsweise gemeinsam Veranstaltungen durchzuführen, bzw. gemeinsam bei anderen Veranstaltungen und Demonstrationen Flagge gegen Rechts und die Bedrohung der Demokratie zu zeigen.

„Let’s talk about Krüppel gegen Rechts“ heißt es in einem Post der Initiative auf Instagram mit dem Verweis darauf, dass die Initiative u.a. gegen Menschenfeindlichkeit agiert und auf Inklusion besteht.

„Wer sind wir? eine Initiative von Menschen mit Behinderung und deren Verbündete, wir sind parteiunabhängig aktiv, wir sind überrregional und intersektional“, heißt es u.a. zur Information im Instagram-Post so auch: „Wofür stehen wir ein? für Vielfalt, Toleranz und Inklusion, gegen Rechtsextremismus und Ausgrenzung, für ein selbstbestimmtes Leben aller“, heißt es zudem auf Instagram, wo die Initiative mittlerweile fast 500 Follower*innen hat.

Link zum Instagram Post von Krüppel gegen Rechts

Auf der Homepage der Initiative Krüppel gegen Rechts finden sich zudem inzwischen eine Reihe von Informationen und Statements, warum einzelne Personen bei der Initiative mitmachen.

Link zur Internetseite von Krüppel gegen Rechts

München Die Republikaner haben den Plänen von Donald Trump für erhebliche Steuerentlastungen für Reiche und massive Kürzungen für Arme u.a. im Gesundheitsbereich mit knapper Mehrheit im Senat und Repräsentantenhaus der USA zugestimmt, so dass der US-Präsident den Nationalfeiertag am 4. Juli 2025 dazu nutzte, das von ihm als Big Beautiful Bill bezeichnete Steuer- und Ausgabengesetz zu unterzeichnen. Eine Folge des hochumstrittenen Gesetzes dürfte sein, dass in den nächsten zehn Jahren zwischen 12 und 17 Millionen Menschen ihre Krankenversicherung über das Medicaid Programm verlieren und die Staatsverschuldung massiv steigt. Aktueller könnte die neue Episode des Podcast Die Neue Norm also nicht sein, die sich mit der Situation behinderter Menschen in den USA befasst und auf die Folgen hinweist, die die Wahl rechter Kräfte haben kann.

„In Folge 64 unseres Bayern 2 Podcast schauen wir auf die aktuellen politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten. Wir sprechen mit mehreren Behindertenrechtsaktivist*innen darüber, was die Abschaffung des Americans with Disabilities Act (ADA), Medicare/Medicaid und der Diversity, Equity, Inclusion (DEI)-Initiativen für die behinderten Menschen vor Ort bedeuten würde und warum auch Deutschland jetzt genau hinsehen sollte“, heißt es in der Ankündigung der neuen Folge des Podcast Die Neue Norm.

Link zum Podcast Die Neue Norm zur Situation in den USA